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Kaami Slings Ring Sling Flora (Prototyp)

Vor einer Weile hatte ich die Möglichkeit, einen Ring Sling Prototyp von der Firma Kaami Slings zu testen. Letztes Jahr im September durfte ich für diese Firma schon ein Tragetuch testen. Der Link dazu hier: Kaami Slings Toja Testbericht

In diesem Testbericht geht es um einen sehr leichten Ring Sling mit einem Flächengewicht von 180 Gramm pro Quadratmeter aus 100% Baumwolle. Die Farben überzeugen mich direkt beim Auspacken: Ein angenehmes Lila und ein Grauton. Das florale Muster gefällt mir sehr gut. Leider sind die schönen Farben auf Fotos sehr schwer einzufangen und je nach Lichteinfall sind sie heller oder dunkler auf den Fotos zu sehen.

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Der erste Eindruck

Den Ring Sling teste ich im Rahmen einer Deutschlandreise direkt vom Hersteller. Hier kommt er in einem schönen Jutebeutel und mit Flyern über die Firma Kaami Slings im Karton an. Auf ihrer Website schreibt Kaami Slings:

„Wir sind ein Norddeutscher Tragetuchhersteller mit dem Namen Kaami Slings. Kaami vereint was uns wichtig ist: unser größtes Glück in hochwertig hergestellten Tüchern zu tragen, die aus biologischen Garnen nach hohen qualitativen Standards gewebt wurden. Wir wählen unsere Materialien alle mit Bedacht und viel Liebe zum Detail aus. Unsere Tragetücher werden in einer familiengeführten Weberei in Deutschland nach höchsten Standards mit viel Liebe zum Design hergestellt.“

(Quelle: https://www.kaami-slings.com)

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Dieses Leichtgewicht glänzt auf den ersten Blick richtig schön und fühlt sich garnicht so dünn an wie das Flächengewicht angegeben ist. Durch die griffige Jacquard-Webung wirkt dieser Ring Sling trotz seiner weichen Eigenschaft sehr stabil.

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Ich habe getestet

Ich habe zuerst mit meiner 4 Kilo schweren Tragepuppe den Ring Sling ausprobiert. Der Stoff lässt sich leicht durch die Ringe ziehen und gleitet gut beim Festziehen.

Dank der Weichheit schmiegt sich das Tragetuch schön stützend um den Körper des Kindes (in meinem Fall der kleinen Puppe) aber bleibt trotzdem an Ort und Stelle, wenn alles straff festgezogen ist.

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Natürlich habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, meine Tochter darin zu tragen.

Mittlerweile ist sie mit ihren 14 Kilo der Härtetest schlecht hin für Tragetücher/Tragehilfen und Ring Slings. Sie war außerdem sehr begeistert über die Farbauswahl.

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Auch mit Ihr kann ich diesen Sling problemlos festziehen und durch die Griffigkeit des Stoffes bleibt alles an Ort und Stelle. Trotz ihrer 14 Kilo ist der Spaziergang zum Einkaufen und zurück mit dem geringen Flächengewicht des Ring Slings kein Problem. Auch nach einer Weile fühlt es sich noch bequem an!

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Mein Fazit

Dieser Ring Sling ist sehr anpassungsfähig und das begeistert mich sehr. Ich kann ihn ruhigen Gewissens auch an Beginner empfehlen, da er nicht so hart und fest ist, wie manch anderes Tragetuch. Er vereint Anschmiegsamkeit und Stabilität und ist daher auch für erfahrene Slingträger mit schwereren Kindern meiner Meinung nach noch gut geeignet. Also eine Alltagshilfe für eine lange Tragezeit, denn einen Sling kann man wirklich oft gebrauchen, ob schnell vom Auto zum Einkaufen, für den Einkauf selbst vielleicht oder als Schal, während der Tragling seine ersten Schritte macht und dann müde Beine bekommt bis hin zu größeren Kids die sich mal eine kleine Weile bei Mama ausruhen und auftanken möchten.

Da es sich hier um einen Prototypen handelt, kann ich keine  genauen Preisangaben machen. Dieser RingSling wird voraussichtlich in der KLassikedition um die 75 € kosten und kommt im Mai wahrscheinlich in den Verkauf. Ihr könnt gern auf der Homepage oder auf  facebook bei der Firma Kaami Slings  stöbern um auf dem Laufenden zu bleiben!

Ich bedanke mich sehr herzlich bei der lieben Krystyna von Kaami Slings für das Vertrauen, dass ich bei dieser Testreise teilnehmen durfte!

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Vielen Dank, eure Katharina!

Unser Steinzeit-Baby ist ein Tragling!

Wie oft hört ihr: „Ich kann mein Baby überhaupt garnicht ablegen, jedes Mal fängt es an zu weinen und schreien!“?
Das sagt doch jedes Elternteil mal, oder auch öfter.
Habt ihr euch mal gefragt woran das liegt? Nein, es liegt nicht daran, dass wir unsere Kinder verwöhnen. Genauso ist es nicht schlau, das Kind einfach „weinen zu lassen, denn es gewöhnt sich ja schon daran“.

Der eigentliche Grund ist viel tiefer in der Evolution verankert. Denken wir uns ein Mal an die Steinzeit zurück:

Im Urwald am Lagerfeuer, die wandernden Neandertaler blieben nie lange an einem Ort, außerdem streunen überall wilde Raubtiere umher. Jetzt fragen wir uns Mal: Wo möchten wir denn in diesem Fall schlafen? Nah an den anderen der Gruppe? Oder lieber alleine in einer dunklen Ecke?

Na? Wem fällt die Antwort ein?

Richtig – natürlich möchte man in Kontakt mit der Gruppe bleiben, man möchte nicht vergessen werden. Außerdem möchte ja auch niemand von einem Säbelzahntiger mitgenommen oder gar gefressen werden, der aus einer dunklen Ecke heranschleicht.
Also gesellen wir uns dazu, oder, wenn wir dies selbständig nicht können, rufen wir jemanden, der uns zur Gruppe gesellt. Dies ist in dem Fall das Weinen und Schreien des Kindes. Die Reaktion „Hallo! Vergiss mich hier nicht! Ich möchte in Kontakt bleiben!“ ist noch aus dieser Steinzeit verankert, so glaubt man.

Denken wir dann auch einmal daran, wie die kleinen Mäuse damals transportiert wurden, wenn es wieder Zeit war, das Lager an einen anderen Ort zu bringen:

Einen Kinderwagen, wie im Comic „The Flintstones“ gab es natürlich nicht. Stattdessen verwendeten unsere Vorfahren damals schon Felle oder Stoffe, in die ihre Babys gepackt wurden und dann am Körper transportiert wurden. Ist ja auch am Praktischsten bei der Wanderung über Stock und Stein oder wenn sie vor einem Raubtier flüchten mussten.

Das heißt, auch das Tragen des Nachwuchses ist schon Millionen Jahre alt und mehr oder Minder in Vergessenheit geraten. Dabei sind unsere Babys doch auch perfekt geeignet um getragen zu werden. Man betrachte ein Baby Mal genauer – präziser gesagt, die Beine und ihre Hüften. Nimmt man ein Baby hoch, bringt es instinktiv seine Beinchen in eine ganz bestimmte Haltung:

Es zieht die Beinchen nach oben an und spreizt sie gleichzeitig in einem gewissen Winkel auseinander. Mit dieser bestimmten Haltung passt dieses Baby nun perfekt in die Kuhle oberhalb von Mamas Hüftknochen. Fast wie ein Schlüssel ins Schloss. Denn dafür sind unsere Babys gemacht. um (auf der Hüfte) getragen zu werden.

Auch das hat evolutionäre Hintergründe – schauen wir uns die Primaten an:

Hier werden die Babys geboren und direkt wissen sie, dass sie sich im Fell der Mutter fest Krallen müssen, um nicht verloren zu gehen – am Anfang vor dem Bauch und mit der Zeit auf dem Rücken der Affenmama. Auch diesen Instinkt haben unsere Babys noch behalten – sie können ihn nur nicht mehr ganz so anwenden wie Affenbabys, da wir Menschen kein Fell mehr haben. Prinzipiell ist aber der Klammermodus unserer Kinder noch in ihnen verankert, manche Kinder haben ihn auch noch in den kleinen Füßchen ganz ausgeprägt.

Was ich damit sagen möchte: Unsere Kinder werden geboren um die ersten Monate danach auf der Mutter bzw den Eltern zu leben. Aber warum? Schauen wir uns nocheinmal die Primaten und die Steinzeitmenschen an. Mit der Zeit entwickelten sich die Primaten zu aufrecht gehenden Homo Sapiens:

Hierbei veränderte sich auch körperlich sehr viel! Durch den aufgerichteten Gang wurde unser Becken schmaler, aber gleichzeitig reiften unsere Babys zu schlaueren heran und die Gehirnmasse braucht mehr Platz im Schädel – kurz: der Kopf wurde größer, das Becken aber dabei kleiner.

Würden die Babys völlig fertig herangereift auf die Welt kommen, so wie Elefantenbabys oder andere Nestflüchter, die sofort nach der Geburt viel Selbständigkeit beherrschen, so würden sie definitiv nicht durch unser jetzt viel zu kleines Becken passen.  Nesthocker wie Küken sind unsere Babys aber auch nicht, nachdem wir weiter oben gelernt haben, dass sie Kontakt zu uns suchen um nicht vergessen zu werden.

Ein Forscher fand in den 70er Jahren dann einen Begriff für die Art Neugeborenes wie das Menschenbaby:

Unsere Babys sind Traglinge. Da sie noch nicht fertig gereift zur Welt kommen, da dies Evulotionsbiologisch nicht möglich ist, brauchen sie nach der Geburt noch mehr Zeit sich zu entwickeln und weiter heran zu reifen – dies geschieht bevorzugt auf/an dem Körper der Bezugspersonen. So werden alle Sinne beansprucht und die Entwicklung von Neuronalen Netzen und zahlreichen Nervenverknüpfungen im Gehirn wird durch das Körpernahe Tragen gefördert.

Mindestens ein Jahr reifen unsere süßen Wesen noch nach, bis sie selbständig aufstehen und los laufen können. Davor sind sie so niedlich gemacht um lieb gehabt, nicht vergessen und immer auf dem Arm getragen zu werden. Dies befriedigt ihre Grundbedürfnisse: Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, Harmonie – wir kennen sie alle und auch wir fühlen uns wohl, wenn wir unsere Grundbedürfnisse erfüllt wissen.

Diese unschuldigen kleinen Wesen können nicht verwöhnt werden, durch zu viel herumtragen, oder gar beabsichtigt weinen, weil sie hochgenommen werden möchten, wie viele Ammenmärchen besagen.

Sie möchten nur lieb gehabt und durch das Getragen werden in Kontakt mit ihren Bezugspersonen bleiben, um nicht gefressen zu werden!

Wie ihr eure Kinder trägt ist egal, ob mit den Händen, im Tuch, Tragehilfe oder oder oder…. Aber Hauptsache tragt sie! Das gibt ihnen das Gefühl, dass sie beachtet berücksichtigt und respektiert werden und befriedigt ihre instinktiven Grundbedürfnisse!

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Buchquellen zu diesem interessanten Thema findet ihr hier:

artgerecht – Das andere Baby Buch

Ein Baby will getragen sein – Evelyn Kirkilionis

Ins Leben Tragen: Entwicklung und Wirkung des Tragens von Kleinstkindern unter sozialmedizinischen und psychosozialen Aspekten (Beiträge zur Ethnomedizin)

In diesem Sinne – liebe Grüße

Katharina

Welche Tragehilfe kannst du empfehlen?

Diese Frage bekomme ich natürlich als Trageberaterin sehr oft von Eltern gestellt und sie erhoffen sich die ultimative Tragehilfe.

Meine Antwort? – Ich kann keine ultimative Empfehlung machen. Jedes Tragepaar ist individuell!

Die Eine“ kann für ein anderes Tragepaar einfach überhaupt nicht passen. Außerdem arbeite ich herstellerunabhängig und vermittele mein Wissen wertfrei.

Da heißt es nur: Durchprobieren. Nicht umsonst biete ich Workshops an, um für verschiedene Tragende die ultimative Tragehilfe zu finden und nicht umsonst biete ich an, die ausgewählte Tragehilfe erstmal eine Woche auszuleihen, bevor eine eigene gekauft wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Doch was macht eine gute Tragehilfe aus? Möchte ich eine Tragehilfe, die eine sehr lange Dauer der Tragezeit passt, aber worin das Kind jeder Zeit gut gestützt getragen werden kann? Möchte ich lieber für ein paar Monate eine spezielle und danach auf einen anderen Tragehilfen-Typ umsteigen? Soll sie möglichst bequem für alle sein? Soll sie mehreren Personen mit unterschiedlichen Staturen passen?

Da haben wir es doch schon – jede Situation und jedes Tragepaar ist verschieden.

Trotzdem gibt es ein paar Kriterien, die ich für besonders wichtig halte, wenn es die Auswahl der Tragehilfe anbetrifft.

Material

  • bestenfalls weiches, anschmiegsames Tragetuch, da dies sich am besten an den Körper des Kindes anpasst
  • sehr weiche Baumwollgewebe, was kein extra Polster enthält

Steg

  • stufenlose Verstellmöglichkeit von schmal bis breit – je nach Modell
  • Regulation durch Klettsystem, Kordel oder anknöpfbaren Zusatzstoff

Hüftgurt

  • viele unterschiedlich geformte (geschwungen oder gerade) und mehr oder weniger stark gepolsterte Gurte
  • sollte unbedingt zum Körperbau passen – also ausprobieren!
  • viele Firmen bieten auch Gurtverlängerungen für fülligere Tragende an!

Rückenteil

  • bestenfalls o.g. Material
  • verschiedene Möglichkeiten zur Regulierung durch seitliche Kordeln oder Gurtbänder
  • wenn es keine Verstellmöglichkeit gibt, kann man die Länge durch Apron tragen regulieren oder das Kind tiefer vor den Bauchgurt setzen
  • Befestigungsposition der Träger beachten: für kleine Kinder ist es optimaler, wenn die Träger statt am Rückenteil, am Hüftgurt befestigt werden, bei größeren Kindern können die Träger ruhig am Rückenteil befestigt werden.

Träger

  • Fullbuckles müssen unbedingt auf die tragende Person eingestellt sein. Wechselt der Tragende, muss man die Träger neu anpassen!
  • Trägerschnallen am Übergang von Rückenteil zum Träger können die Länge der Träger regulieren und wie nah man sein Kind am Körper tragen möchte. (diese möchte ich hier NICHT Stillschnallen nennen!!! 😀 )
  • gerade Träger kann man am Rücken überkreuzt tragen, wenn diese zusätzlich ausklickbar sind.
  • gebogene Träger sind fast identisch wie bei Rucksäcken
  • Quergurt zur besseren Gewichtsverteilung und Vermeidung von Rutschen der Träger
  • MeiTais und Halfbuckles können problemlos an mehrere Tragende angepasst werden, da hier die Träger aus Tragetuch oder langen gepolsterten Strängen zum Binden bestehen

 

 

Ich hoffe ich konnte Euch hier eine Hilfe sein. Wenn ihr mehr wissen möchtet oder etwas ausprobieren wollt, scheut nicht, mich zu kontaktieren!

Eure Katharina

Kleine Webkunde

Ich beschäftige mich nun schon seit einer Weile mit den vielfältigen Webarten und ihren Unterschieden, so dass ich in diesem Beitrag alles wichtige einmal zusammen gefasst habe. Ich versuche, so gut es geht, zu jedem Beispiel Fotos von eigenen Tüchern oder auch besonderen Testtüchern zu zeigen, damit ihr euch das Webbild besser vorstellen könnt. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle an die lieben Freundinnen und Kolleginnen, von denen ich ein paar Bilder verwenden durfte!

Generell hier eine kurze Begriffserklärung:

Kettfaden = Die Fäden die in der Länge nebeneinander auf den Webstuhl aufgespannt werden. Im Englischen auch warp genannt

Schussfaden = Der oder die Fäden, die unter und über die Kettfäden quer herüber verlaufen. Im Englischen wird der Begriff weft verwendet.

Flächengewicht: Dies ist die Gewichtsangabe von dem verwendeten Gewebe, gemessen in Gramm pro Quadratmeter. Je niedriger das Flächengewicht, umso dünner und leichter ist das Tuch. Ein hohes Flächengewicht kann man u.a. erreichen, wenn dickere Garne, doppelte Garne oder schwerere, stabilere Materialien verwendet werden (Wolle, Seide etc.). Bei der Auswahl ist von 170 bis 400 g/qm keine Grenzen gesetzt, man muss damit zurecht kommen. Einige sind Liebhaber von sogenannten „Teppichen“ bzw brockentauglichen Tragetüchern mit hohem Flächengewicht ab 300 – damit muss man aber klar kommen, denn es ist viel Stoff in den Händen und manchmal nicht einfach anzupassen. Andere schwören auf dünne Tücher, auch bei schweren Kindern, wenn man diese präzise und sauber bindet.

Bei mir im Sortiment findet man von allem, außer der Leinwand-Bindung und Fischgrat-Köper alles. Falls also jemand nach diesem Bericht neugierig geworden ist, scheut euch nicht, mich anzusprechen und zum Testen vorbei zu kommen!

Los geht’s mit einer Webart, die eher bekannt ist unter den Handwoven-Liebhabern oder die ihr von eurem Geschirrtuch kennt, was ihr zum Abtrocknen verwendet (lustig irgendwie, das beides in einen Satz zu verpacken):

 Die Leinwand-Bindung oder auch „plain weave“

Das Webbild ist hier recht einfach zu definieren, denn hier geht ein Schussfaden immer über einen Kettfaden und unter den nächsten. So entsteht das typische „Leinwand-Muster“. Wenn ihr euch eine Leinwand genauer anschaut, werdet ihr sie auch dort wieder finden. Ein Gewebe in Leinwand-Bindung ist auf beiden Seiten identisch.

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Eigenschaften eines  „plain weave“-Tragetuches sind

  • Hohe Festigkeit im Gewebe (steifer als andere)
  • Geringe Diagonalelastizität
  • Geringe Verschiebbarkeit
  • oft sehr dünnes Gewebe, so dass dickere oder doppelte Garne verwendet werden (können)

Tragetücher in Leinwandwebung passen sich ein wenig schwieriger an den Körper des Tragenden und Traglings an, da sie, je fester sie gewebt sind, auch wenig Diagonalelastizität besitzen, welche dafür verantwortlich für die Anschmiegsamkeit ist.

Beispiele: einige Handwoven-Modelle, Weltladen-Tragetücher, Hänschenklein Ringsling

Köper-Bindung (twill weave)

Dies ist eine der drei wichtigsten Grundbindungsarten in der Weberei neben Leinwand- und Atlas-Bindung (hier nicht erwähnt weil es nicht relevant ist). Die Köperbindung findet man zum Beispiel in Jeans und Arbeitsklamotten. Typisch ist ein schräger Webverlauf in eine Richtung (rechts oder links). Hier unterscheidet man noch gleichbindend von ungleichbindend: das bedeutet, die eine Seite des gewebten Stoffes ist entweder genau gleich der anderen oder unterschiedlich (so wie bei Denim Jeans – aussen blau, innen hell).

  • Köper- Gewebe haben meist folgende Eigenschaften:
  • Hohe Diagonalelastizität
  • Weiche Webung, daher Recht instabil

Für ein Tragetuch wäre diese Webung zu elastisch. Daher hat man sich die Fischgrat-Köper Webung einfallen lassen.

Fischgrat-Köper

Sie ist sozusagen der ursprünglichen Köper-Webung gleich, nur dass in gewissen Abständen in der Diagonale versetzt die Webrichtung wechselt . Dadurch entsteht das Fischgrat-Muster. Meist sind die Gewebe gleichbindend, also von beiden Seiten gleich.

(Fotos: Privat, vielen Dank an N. Klauss & K.Vetterlein)

Hier hat das Tragetuch folgende Eigenschaften:

  • recht dehnbar
  • extrem diagonalelastisch ähnlich dem normalen Köper
  • ursprünglich für Arbeitskluft gedacht
  • durch die lockere Webung sehr schnell weich
  • sehr anschmiegsam

Die hohe Dehnbarkeit und Diagonalelastizität wird in Tragetüchern oft mit dickeren Garnen ausgeglichen.

Beispiele: Didymos Lisca, Yaro Yolka

Kreuz-Köper (broken twill)

Die bekannteste Art, in der Tragetücher gewebt werden, ist Kreuzköper. Von vielen bekannten Herstellern wird diese Webart verwendet, sogar handgewebte Tücher aus Kreuzköper gibt es. Hier gibt es keine typischen Grate wie bei Fischgrat-Köper oder Köper-Webung. Die Webung ist sehr fein und klein und auf beiden Seiten gleich zu sehen.

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Dadurch entstehen diese Eigenschaften bei einem Broken-Twill Tragetuch:

  • diagonalelastisch aber wenig dehnbar
  • hohe Verschiebefestigkeit da fest gewebt
  • schmiegt sich gut dem Körper des Tragling an
  • Wird Recht schnell weich

Sehr gut geeignet für Einsteiger da es einfache Anwendungseigenschaften hat und Pflegeleicht ist. Es ist sehr langlebig und kann trotz niedrigem Flächengewichtes oft sehr lange genutzt werden.

Beispiele: Yaro Broken Twill, viele Tragetücher von Hoppediz, einige Girasol Handgewebte

Zickzack-Webung

Hier wirkt es wie Fischgrat-Köper, doch das Muster ist ein zusammenhängendes Zick-Zack im Schussfaden. Hier gibt es keine versetzten Köper-Grate. Die Eigenschaften sind identisch zum Fischgrat.

(Foto: Privat – vielen Dank an H.)

Beispiele Zick-Zack: Madalo, Girasol, u.ä.

Diamant-Köper (diamond twill)

Diese Webung ähnelt dem Fischgrat, auch hier wechselt die Webichtung. Hier stoßen die gewebten Rauten immer in der Diagonale versetzt an einander, so dass eine unterbrochene Raute entsteht. Es wirkt wie das Bild eines Diamanten, daher der Name.

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  • Diagonalelastisch
  • schmiegt sich schön an
  • angenehme Festigkeit

Nur wenige Firmen haben „original Diamant-Köper“ – zum Beispiel Storchenwiege (die Leo Serie) und Lenny Lamb.

Rauten-Köper

Diese Webung hat die selben Eigenschaften wie Diamant-Köper und sie wird auch oft als Diamantköper bezeichnet. Hier werden die Rauten aber geschlossen gewebt und daher entstehen weichere, und recht diagonalelastische Tragetücher, die aber trotzdem sehr stabil sind.

Oft haben diese Tücher die selben Eigenschaften wie die der „echten“ Diamantköper-Tragetücher aber

  • etwas mehr Diagonalelastizität
  • von Beginn an etwas weicher und anschmiegsamer

Beispiele: Handwoven Girasol, Madalo, Maschinengewebte von einigen Herstellern.

Jacquard

Dies ist eine sehr aufwendigr Webung. Hier entstehen schöne Muster durch mehrere  Fadenübersprünge im Webbild. Jacquard findet man nicht nur bei Tragetüchern, sonder bei vielen Stoffen, die ein eingewebtes Muster haben. Typisch ist hier, dass sie ungleichbindend sind: also sie haben zwei verschieden farbige Seiten, die ein Negativabbild zu einander sind.

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Durch die oben beschriebene Art Jacquard zu weben ergibt sich:

  • Instabile, lockere Webung
  • Festigkeit wird durch stabilere Materialien als Baumwolle erreicht (Hanf, Leinen) oder durch dickere Garne
  • Große Mustervielfalt
  • werden besonders weich
  • sehr anschmiegsam

Zahlreiche Hersteller arbeiten mit der Vielfalt der Jacquardwebung. Hierbei entstehen unglaublich viele Möglichkeiten. Von sehr dünnen Tragetüchern bis hin von „Teppichen“ ist hier alles möglich.

 

Ich hoffe, nun seid ihr ein wenig schlauer und habt ein wenig Lust bekommen, das ein oder andere auszutesten?

Na dann los!

Bis bald,

Katharina

 

Mein Jahr 2017

 

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Meine Highlights vom Jahr 2017

Februar

Die Elternzeit ist vorbei, ich habe wieder angefangen in meinem Hauptjob zu arbeiten. Ich dachte, hier ist die Tragezeit zu Ende. Da hatte ich falsch gedacht, wir tragen umso mehr zum kuscheln. Ein riesiges DANKE an alle für die Unterstützung, vorallem in der Zeit wo ich wieder eingearbeitet wurde.

April

UnserF.Flatulini wird schon 2 Jahre?!?! Die Zeit vergeht viel zu schnell und die Tragezeit ist immernoch nicht vorüber.

Juli

Ich habe endlich meinen Traum verwirklicht – ich habe die Ausbildung zur Trageberaterin in Berlin bei ClauWi gemacht! Dort habe ich so tolle Menschen kennen lernen dürfen! Ich war und bin immer noch fasziniert von Petra Wilhelm und ihrer tollen Art, ihr wertvolles Wissen weiter zu geben.

August

Meine erste Beratung und dann direkt zum Rückentragen. Ich war ja soooooooo aufgeregt und danach war ich überglücklich, wie stolz die Eltern waren! DANKE!

Oktober

Zweiter Teil der Basisausbildung zur Trageberaterin in Dresden. Ich bin so unglaublich motiviert und voller Wissen dort raus gegangen.

November

Ich konnte eine Zusammenarbeit mit der Evangelischen Familienbildungsstätte und dem Familienzentrum Kaufungen für 2018 (Workshop im Februar) klar machen und freue mich mega drauf!

Dezember

Mein erster Workshop zum Thema Rückentragen. Es war einfach nur MEGA. Ich habe so Bock auf mehr davon! Am liebsten jede Woche! Es macht so einen riesen Spaß, zu sehen wie stolz die Eltern ihre Kinder auf dem Rücken tragen!

Ich habe Ende des Jahres angefangen Tragetreffs zu organisieren und Workshops zu planen. Alle Anfang ist schwer, ich weiss, und auch jetzt läuft es noch nicht so fliessend, wie ich’s mir vorstelle. Oft denke ich mir, ich schmeisse das hin. Aber die Liebe zum Tragen und der Kontakt zu anderen Eltern und ihren süßen Kindern lässt mich weiter machen! Ich möchte im Jahr 2018 viele Eltern motivieren, zum Austausch zu den Tragetreffen zu kommen und Kontakte zu knüpfen und wünsche mir ganz viele tolle Beratungen, ausgebuchte Workshops und Kontakt zu noch mehr tollen Eltern!

Mein Plan für 2018:
Workshops zu verschiedenen Themen, u.a. zu Hüftbindeweisen und Sling, Finishes, Rückentragen….
Weiterbildung zum Tragen von Frühchen, Zwillingen und bei besonderen Bedürfnissen.
Vielleicht eine Tragesprechstunde?

DANKE an alle, die mich unterstützt haben, vorallem ein fettes DANKE an die liebe Karoline vom Kangatraining Kassel und an meinen Mann, der mir immer den Rücken frei gehalten hat ❤️❤️❤️❤️❤️

DANKE an diejenigen, die bis jetzt den gesamten Text durchgelesen haben 😂

Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein frohes, glückliches und gesundes neues Jahr 2018!

Eure Katha ❤️

Chaotischer, aber schöner Sonntag!

Ich hatte geplant, diesen Blog für Tester-Tragen und Tragetücher zu führen. Der gestrige Tag war aber so schön und ich bin sehr stolz auf die lieben Eltern, die ich gestern beraten durfte, dass ich doch ein wenig darüber berichten möchte.

Es war eine total entspannte Atmosphäre bei der Familie. Die kleine Maus ist gerade erst einige Wochen alt und noch ein wenig zarter als meine kleinere Tragepuppe. Sie wurde erst noch gestillt und schlief dann friedlich ein, so dass ich die Eltern erstmal in die theoretischen Grundkenntnisse einweisen konnte. Da sie beide auch viel auf Mittelaltermärkten unterwegs sind und sich die Mama schon richtig viel übers Tragen, die Eigenschaften von Tragetüchern und Webmuster informiert hatte, fiel das alles unglaublich leicht! Ich führte dann die Wickelkreuztrage und das Känguru vor, dann übten wir gemeinsam beide Bindeweisen und langsam wurde auch die kleine Maus wieder wach. Ich habe sofort gesehen, dass die Mama absolut begabt in ihrer Fingerfertigkeit ist, sie hat die Bindeweisen nahezu perfekt so umgesetzt wie ich sie vermittelt habe.

Als die Kleine dann richtig wach war, stillte die Mama erst noch einmal, während ich mit dem Papa die Wickelkreuztrage geübt habe. Der Papa war besonders begeistert von dem Tragetuch, dass ich extra ausgewählt habe nach den Vorkenntnissen über die beiden. Er hat die Wickelkreuztrage auch richtig klasse mit der Puppe gebunden. Nach dem das Baby gesättigt war, gings ans Eingemachte: Die Mama hat absolut selbstbewusst und sicher ihr KInd in die Wickelkreuztrage gebunden und ich war unglaublich stolz, dass sie so ruhig blieb, als die kleine Tochter doch eine Weile schrie. Ich habe erklärt, dass es sein kann, dass sie dies tut, weil sie sich an die Umstände mit dem Tragetuch so eng um sich herum erst gewöhnen muss. Als dann der Knoten fertig war und Mama auf und ab lief, beruhigte sich die kleine Maus sofort und schlief ein. Mit dem schlafenden Baby hat die Mama dann kurze Zeit später noch das Känguru so perfekt umgesetzt, dass ich vor Stolz fast geplatzt wäre!

Es hat wirklich unheimlich viel Spaß gemacht und ich freue mich, dass die Drei nun schöne Tragemomente geniessen können!

Direkt danach ging es aber noch ruck zuck weiter, denn der Stammtisch vom Tragenetzwerk e.V. in Mittelhessen stand noch auf meinem Plan. Mir fiel dann auf, dass ich den Tester von Kaami Slings vergessen hatte mit einzupacken, also schnell nach Hause, einpacken und los gehts. Die Fahrt war etwas chaotisch und langwierig aber ich kam dann nach einer Weile endlich an und wurde sehr herzlich empfangen von der ganzen Runde.Wir haben ganz entspannt gequatscht und uns über viele Themen ausgetauscht.

Es stand dann noch an, verschiedene Varianten der Kängurubindeweise zu binden. Das haben wir dann ähnlich einer Gruppenanleitung gestaltet und die Unterschiede der Versionen von mehreren Trageschulen erörtert. Das hat meinen Wissensstand wirklich sehr bereichert und jede der Kolleginnen konnte wichtige Details einbringen.

Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit dabei sein durfte, denn ich komme ja eigentlich aus Nordhessen, Kassel und kenne die mittelhessische Region eigentlich kaum. Aber ich habe mich total über den Austausch zwischen den lieben Kolleginnen gefreut!

Einen Bericht über das Testertuch von Kaami Slings folgt die Tage hier!

Bis bald, Katharina 🙂

Herzlich Willkommen auf meinem Blog!

Schön, dass du vorbei schaust!

Da ich hin und wieder neue Produkte aus der Tragewelt ausprobiere und dies nun nicht mehr nur über Facebook und Instagram publik machen möchte, da es auch einige Personen ohne Social Media gibt, habe ich mich entschieden einen Blog über meine Arbeit als Trageberaterin zu erstellen.

Tja und nun: Hier ist er. Aufgrund meiner hauptberuflichen Arbeit im Schichtdienst, hoffe ich, dass ich es hier trotzdem schaffe, regelmäßig zu posten.

Ich freue mich sehr darauf euch ein wenig darüber zu berichten, was sich auf dem Tragetuch- und Tragehilfenmarkt alles neues auftut.

Beginnen möchte ich spätestens Montag den 16.10. mit der Vorstellung eines Testertuches der Firma Kaami Slings, welches heute schon bei mir angekommen ist und nun mit 14 Kilo Trageline und 52 cm Tragepuppe auf Herz und Nieren getestet wird.

 

Bis bald,

Katha

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