Nositko KiBi Fullbuckle

Die Tragehilfe von der Firma KiBi aus Tschechien durfte ich im Rahmen einer Testreise organisiert durch Katrin von LovesBabywearing ein paar Tage testen. Sie kommt in einem kleinen Karton und einer Anleitung mit Erklärungen in Englisch. Die Marke KiBi setzt auf lokale Materialien aus Tschechien. Sie wirbt damit, dass diese Trage sehr vielfältig einzusetzen und sehr lange verwendbar ist.

IMG_20180111_161426

Die Tragehilfe ist eine Fullbuckle, also sie wird mittels Schnallen geschlossen. Das Rückenteil und auch die Träger bestehen aus Baumwollstoff, der sich sehr weich anfühlt. Außen ist das Rückenteil aus Baumwollstoff in Längsstreifenmuster, die Träger sowie auch die Innenseite des Rückenteils und der Hüftgurt bestehen aus schwarzem Baumwollstoff.

PicsArt_01-10-06.55.50

Ich beginne wieder wie bei jeder Tragehilfe in diesem Bericht von oben nach unten.

Die Kopfstütze ist recht klein und hat an den Aussenseiten eingearbeitete Gummis und kann nicht zusammengerafft werden, jedoch sind die Enden mit einer sehr kleinen Schnalle versehen, die an eine Schließe an den Trägern befestigt wird. Die Kopfstütze kann hier nicht der Verlängerung des Rückenteils dienen, da sie mir dafür zu klein wirkt.

Die Träger sind gebogen und haben an der Verbindung zum Rückenteil die sogenannten „Stillschnallen“, die sehr großzügig lange Gurtbänder haben. An dem anderen Ende des Trägers befinden sich recht breite Gurtbänder an einer Schnalle, die man in die Schließe am Rückenpanel einklickt. Diese Schnalle ist mit einer Sicherheitsschiebefunktion versehen.

Die Zugrichtung des Gurtbandes ist genau umgekehrt wie bei anderen Tragehilfen: Wenn man das Kind vorn trägt, muss man von vorne unten nach hinten oben ziehen. Hierbei hatten mein Mann, ich und eine Freundin mit kleinem Baby sehr große Schwierigkeiten beim Festziehen, denn bei dieser Zugrichtung muss man sehr viel Kraft und Verrenkungen aufwenden, um zu einem festen Ergebnis zu kommen. Alternativ haben wir die recht langen Gurtbänder der Stillschnallen benutzt um die Trage anzupassen, sowie mit dem gegenüberliegenden Arm hinter dem Rücken entlang gegriffen, um dann zu versuchen das Gurtband so zu straffen.

Trägt man das Kind auf dem Rücken, ist das Festziehen der Träger etwas einfacher, da die Zugrichtung hier von hinten unten nach vorne oben geht und dies einfacher festzuziehen ist, da man hier mehr Bewegungsspielraum hat. Allerdings ist dann beim Lösen der Trägergurte oder Abschnallen der Träger wieder das Problem, dass man sich extrem verbiegen muss.

Das Rückenteil lässt sich durch zwei verschiedene Varianten verstellen: zum Einen hat der obere Abschnitt des Rückenteils großzügige Verstellmöglichkeiten über kleine Karabinerhaken, die man an kleine dünne fortlaufende Gurte, die an den Träger angenäht sind, einhakt. So kann das obere Stück des Rückenteils hinauf oder herunter geschoben werden. Den unteren Abschnitt des Rückenteils kann man mittels seitlichen kleinen Schnallen mit Gurtband zusammenraffen.

Die Beinausschnitte sind angenehm und großzügig gepolstert.

Maße: Die kleinste Einstellung des Rückenteils beträgt ca 33 cm, die längste Einstellung habe ich bei 50 cm gemessen.

PicsArt_01-10-07.01.11
Der Steg kann über zwei verschiedene Möglichkeiten verstellt werden: Es befindet sich eine Kordel, wie bei verschiedenen anderen Tragehilfen auch üblich, am unteren Ende des Rücken teils. Des Weiteren gibt es drei Druckknöpfe, die an der oberen Seite des Hüftgurtes angebracht sind, und am untersten Ende des Rückenteils befinden sich die dazu passenden Gegenstücke zum schließen.

Am äußersten Druckknopf befindet sich eine Schlaufe mit einem weiteren Druckknopf, die den Hüftgurt locker umschliesst und das Verrutschen des unteren Stückes des Rückenteils verhindert.
Leider fällt bei dem Verstellen des Stegs mit der Kordel auf, dass die Kordel sich von selbst löst, weil der Kordelstopper leider nicht so fest hält wie er soll. Improvisiert mit einen Knoten direkt hinter dem Kordelstopper hält es.

Die kleinste Einstellung des Stegs beträgt um die 15 bis 20 cm und die größte Einstellung 50cm und ist somit sehr großzügig, so dass die Angabe des Herstellers, ein Kleinkind mit drei Jahren darin tragen zu können, durchaus realistisch ist.

IMG_20180109_165355[1]

Der Hüftgurt ist geschwungen und sehr breit, ist ausreichend gut gepolstert und hat mehrere Unterteilungen: Ein kleines Mittelteil, zwei längere Seitenteile. Der Hüftgurt wird an der Seite geschlossen und hat auch ebenfalls wie die Trägerschnallen eine Sicherheitsschnalle.

Wir haben getestet:

Mit einem Baby von 4 Monaten und Kleidergröße ~ 62 habe ich mit der Mutter gemeinsam festgestellt, das hier sehr viel Druck auf den oberen Rücken einwirkt und dazu führt, dass das Kind in ein Hohlkreuz gedrückt wird. Das ist meiner Meinung nach suboptimal bei Kindern, die noch keine ausreichende Muskulatur im Rücken haben, um diesen Druck auszugleichen. Außerdem war der Steg noch einige Zentimeter zu weit für die kleine Maus, obwohl schon ganz eng eingestellt.

PicsArt_01-10-06.53.06

Mein Mann hat unsere 14 Kilo schwere Tochter (Gr. 98) vorn getragen, auf dem unteren Foto kann man sehr schön sehen, wie großzügig der Steg ist. Auf dem Rücken finde ich die Tragehilfe sehr bequem und praktikabler anzuwenden.

Ich habe die Tragehilfe außerdem mit zwei verschiedenen Tragepuppen getestet und auch hier habe ich festgestellt, dass durch die Position der Träger am Rückenteil sehr viel Druck auf den Rücken ausgeübt wird. Dies kann man auch sehr schön auf den Bildern sehen:

PicsArt_01-10-06.50.14

Extra-Gimmick – Hüftsitz:

Man kann außerdem die komplette Tragehilfe über dem Hüftgurt zusammenrollen und sie ähnlich dem als Hüftsitz verwenden. Hierzu gibt es kleine dünne Gummibänder, die auf der Innenseite der Tragehilfe am Hüftgurt angebracht sind und die zusammengerollte Tragehilfe festhalten.

Diese Funktion habe ich mit meinem Kind nicht ausprobieren können.

IMG_20180111_150346

Mein Fazit

Da die Träger mittig am Rückenpanel befestigt werden, ist diese Tragehilfe meiner Meinung nach nicht optimal für sehr kleine Kinder, die noch keine Rumpfkontrolle und ausreichend Rückenmuskulatur besitzen, um diese Zugeinwirkung auf den Rücken auszugleichen. Der Rücken kann nicht die entwicklungsgemäße Position einnehmen.

Der Hersteller gibt die Tragehilfe schon ab vier Monaten beziehungsweise 3,5 Kilo frei, doch ich kann mir diese Tragehilfe erst für ältere Kinder vorstellen. Außerdem ist der Steg meiner Meinung nach nicht eng genug verstellbar, um Kinder unter Kleidergröße 62 darin zu tragen. Als maximale Gewichtsangabe werden 20 Kilo ausgeschrieben.

Ich finde ich die Tragehilfe schwierig in der Handhabung, vorallem für Einsteiger oder unerfahrene Eltern kann die vielseitige Handhabung eine Herausforderung sein. Da sind mein Mann, meine Freundin, die bisher nur im Tragetuch trägt und ich uns einig. Beim Tragen vor dem Bauch war bei allen Testpersonen sehr problematisch, dass die Träger ganz allein schwierig einzustellen sind. Gerade Personen, die Beeinträchtigungen der Kraft in den Armen und Handgelenken haben, werden hier schnell frustriert sein. Würde die Zugrichtung der Trägergurte anders herum verlaufen, wäre das Festziehen deutlich einfacher.

Insgesamt finde ich diese Tragehilfe für meine Arbeit als Trageberaterin nicht beratungsrelevant. Der wichtigste Grund dafür ist, dass die Eltern, die zu mir kommen, eine unkomplizierte, schnelle und praktikable Handhabung von Tragehilfen erlernen möchten.

Eine Alternative zum Tragen von sehr großen Kindern stellt sie allerdings zu den gängigen Tragehilfen dar, vorallem preislich gesehen. Zu kaufen ist die Tragehilfe für umgerechnet 105 € zzgl Versand aus der Tschechei hier

Ich versuche natürlich den Testbericht so wertfrei wie möglich zu gestalten, aber trotzdem meinen eigenen Eindruck zu schildern. Hier habe ich bei dieser Tragehilfe direkt gemerkt, dass sie einfach nicht zu mir passt. Trotzdem habe ich mich der Herausforderung gestellt und sie gern getestet und finde auch eine Kritik wichtig für die weitere Entwicklung der Tragehilfe bzw. des Herstellers.

Vielen Dank auch hier an Katrin und den Hersteller KiBi für die Chance, diese Tragehilfe zu testen.

Bis bald,

eure Katharina.

 

 

 

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: